Am vergangenen Sonntag, den 13. September 2026, brach eine Gruppe von Mitgliedern des RWV Haselbach e. V. zu einem ganz besonderen Vereinsausflug ins thüringische Oberhof auf. Ziel der Tagesfahrt war es, die weltbekannten Sportstätten der Wintersport-Hochburg aus nächster Nähe zu erkunden. Pünktlich um 10:00 Uhr startete die Fahrt am Haus des Gastes in Haselbach.
Erster Anlaufpunkt vor Ort war das Cafe Luck – traditioneller Anlaufpunkt und zugleich Fachgeschäft für Sporthandel in Oberhof. Bei einer dampfenden Tasse Kaffee trafen die Teilnehmer auf ein wohlbekanntes Gesicht aus den eigenen Reihen: Vereinsmitglied Michael Gundelwein. Als Obmann der Kampfrichter im Thüringer Skiverband bot er der Gruppe eine fachkundige Exklusiv-Tour, die tiefere Einblicke hinter die Kulissen des Spitzensports gewährte.
Wetterfeste Flexibilität und ein Blick auf den Nachwuchs
Obwohl ursprünglich eine kleine Wanderung durch die Thüringer Bergwelt geplant war, verlangte das Wetter den Haselbachern sprichwörtliche Wintersport-Flexibilität ab. Aufgrund des anhaltenden Regens verlegte die Gruppe kurzerhand in den Vereinsbus, um die weitläufigen Sportanlagen trocken und komfortabel zu erkunden.
Erste Station der Bustour war der Fotopoint an der Alten Ohrdrufer Straße mit direktem Blick auf die traditionelle Wadebergschanze. Die Schanzenanlage am Wadeberg blickt auf eine lange Tradition zurück: Bereits 1908 wurde hier die erste Holzsprungschanze errichtet, gefolgt vom Bau der Jugendschanze im Jahr 1951, auf der 1954 sogar das historisch erste Mattenskispringen stattfand. Ein Aspekt mit aktuellem Vereinsbezug: Unser Nachwuchstalent Solveig Mainz, die seit rund vier Wochen am Sportgymnasium Oberhof trainiert und lernt, nutzt die Schanzen am Wadeberg regelmäßig für ihr tägliches Training.
Vom Eiskanal in die eisige Skihalle
Anschließend führte der Weg vorbei an den Downhill-Strecken des Bikeparks Oberhof, wo sich selbst bei strömendem Regen einige unverdrossene Mountainbiker auf den Trails befanden, hinab zum Zielbereich des Oberhofer Eiskanals. Die 1971 eingeweihte und über 1.300 Meter lange Rennrodelbahn gehört mit ihren 15 Kurven und dem berühmten „Kreisel“ zu den traditionsreichsten und anspruchsvollsten Kunsteisbahnen der Welt. Michael Gundelwein erläuterte der Gruppe anschaulich die technischen Besonderheiten sowie die logistischen Herausforderungen bei der Präparierung der Eisbahn.
Der nächste Stopp verlangte den Ausflüglern temperaturtechnisch etwas Abgebrühtheit ab: In der LOTTO Thüringen Skisport-HALLE betrat die Gruppe die Besuchertribüne bei konstanten und sehr trockenen minus 4 °C. Über eine Streckenlänge von fast zwei Kilometern trainierten dort ambitionierte Wintersportler mitten im September auf echtem Schnee. Am Rande erhielten die Vereinsmitglieder eine technische Besonderheit erklärt: Für die kontinuierliche und emissionsfreie Präparierung der Loipen setzt die Halle auf den weltweit ersten vollelektrischen Pistenbully.
Thüringer Humorspitzen und Biathlon-Atmosphäre
Auf dem Weiterweg zum Biathlon-Stadion passierte der Bus ein Gewässer mit vertrautem Namen: den Oberhofer „Wolfgangsee“. Anders als sein berühmter Bajuwarischer Namensvetter dient dieser Speichersee zwischen Skihalle und Arena der gezielten Beschneiung der Wettkampfanlagen im Winter.
Anschließend nahm die Gruppe auf der Tribüne der LOTTO Thüringen ARENA am Rennsteig Platz, mit freiem Blick auf den Schießstand. Michael Gundelwein schilderte eindrucksvoll den Ablauf internationaler Weltcup-Veranstaltungen, seine konkreten Aufgaben als Kampfrichter im Stadion und die bauliche Transformation des Areals von den Anfängen bis zur modernen Arena.
Eine weitere schmunzelnde Anekdote bot die Vorbeifahrt an der „Haselbachquelle“ – ein kleiner Bachlauf gleichen Namens, der den Weg vom Parkplatz in Richtung des Kanzlersgrunds kreuzt.
Pioniere des Skisprungs am Kanzlersgrund
Hauptziel im Bereich der Sprungschanzen war die Schanzenanlage im Kanzlersgrund. Die Anlage umfasst zwei beeindruckende Bauwerke: die Hans-Renner-Schanze (Großschanze, HS 140) sowie die Rennsteigschanze (Normalschanze, HS 100).
Ein besonderes Augenmerk galt dabei der Geschichte von Hans Renner: Der renommierte Zella-Mehliser Skisprungtrainer revolutionierte in den 1950er-Jahren den gesamten Skisprungsport, indem er die Kunststoffmatte erfand und patentieren ließ. Durch diese Erfindung machte er das Skispringen unabhängig von Schnee und Eis und legte damit den Grundstein für das moderne Sommerskispringen sowie das ganzjährige Training weltweit. Ihm zu Ehren wurde die Großschanze im Kanzlersgrund im Jahr 1998 offiziell benannt.
Am Fotopoint der Schanzenanlage im Kanzlersgrund versammelten sich alle Teilnehmer schließlich für das gemeinsame Erinnerungsfoto.
Gemütlicher Ausklang
Den gelungenen Abschluss der Inforeise bildete eine gemeinsame Stärkung in der Thüringer Hütte am Grenzadler, bei der die Eindrücke des Tages in geselliger Runde nachbesprochen wurden, bevor die Gruppe die Heimreise nach Haselbach antrat. Ein herzlicher Dank gilt Michael Gundelwein für die hervorragende Organisation und die informativen Einblicke hinter die Kulissen des Spitzensports!


